Kündigung wegen halben Brötchen nach knapp 23 Dienstjahren

paragraph-ratrDas Arbeitsgericht Hamburg hat die Kündigung einer Krankenschwester, die 8 halbe belegte Brötchen für sich und ihre Kollegen aus einem Pausenraum für externe Mitarbeiter entnommen hatte, für unwirksam erklärt. Die Krankenschwester war seit 1991 bei der Arbeitgeberin beschäftigt und ordentlich unkündbar.

Das Gericht bekräftigte, dass auch die Entwendung geringwertiger Sachen grundsätzlich eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen könne. Der Arbeitgeber müsse im Einzelfall aber prüfen, ob das beschädigte Vertrauen durch eine Abmahnung wieder hergestellt werden kann. Dabei sei zu berücksichtigen, ob die arbeitsvertragliche Pflichtverletzung offen oder heimlich erfolgte und wie der Arbeitnehmer mit den Vorwürfen umgehe. Im Fall hatte die Krankenschwester zugegeben, die Brötchen genommen zu haben, weil ihr eigenes Brötchen gestohlen worden sei.

Der außerordentlichen fristlosen, hilfsweise mit sozialer Auslauffrist ausgesprochenen Kündigung hätte bei der seit knapp 23 Jahren beim Arbeitgeber beschäftigten Krankenschwester eine Abmahnung als milderes Mittel vorausgehen müssen.

Gegen das Urteil ist noch die Berufung möglich.

Link: Arbeitsgericht Hamburg, Urteil zur Sache 27 Ca 87/15, Pressemitteilung vom 10.07.2015