Ist ein Kammerorchester ohne Waldhorn unsinnig?

Der Titel des Artikels wirft viele Fragen auf. Jedenfalls entstammt dieser dritte Artikel meines Blogs nicht der Kategorie Häufig gestellte Fragen. Freunde der klassischen Musik werden gedanklich die Instrumente eines Kammerorchesters durchgehen. Vielleicht fragen Sie sich auch, in welchen Stücken man einen Hornisten benötigt.

Der gekündigte Hornist lehnte die Idee eines Kammerorchesters ohne Horn (in diesem Fall ein Waldhorn) verständlicherweise ab. Er begründete dies – so im Wortlaut die Pressemeldung des Bundesarbeitsgerichts – mit künstlerischen Erwägungen:

„[…] so könne das Stück „Peter und der Wolf“ nur noch als „Peter ohne Wolf“ aufgeführt werden.“

Wenn Sie sich Fragen, ob es hier noch um Arbeitsrecht geht, oder ob ich mich thematisch kurzer Hand umentschieden haben, sind Sie dem Ergebnis des Bundesarbeitsgerichts schon sehr nahe. Es stellt fest:

„Kündigt der Arbeitgeber einem Orchestermusiker, weil er das Orchester verkleinern will, so können die Arbeitsgerichte diese Entscheidung nicht auf ihre künstlerische Zweckmäßigkeit hin überprüfen.“

Da die Kündigung aus nachvollziehbaren wirtschaftlichen Erwägungen erfolgte – der Freistaat Thüringen hatte die dem Orchester gewährten Zuwendungen erheblich reduziert – und die Kündigung sonst nicht zu beanstanden war, ist sie wirksam.

Übrigens ist die Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts auch künstlerisch haltbar – zumindest soweit man Wikipedia in diesem Punkt vertrauen darf:

„Ein Kammerorchester ist deutlich kleiner als ein Sinfonieorchester. Seine Stammbesetzung besteht häufig nur aus einem kleinen Streicherchor, z. B. aus fünf ersten und vier zweiten Violinen, vier Bratschen, vier Celli und einem Kontrabass; Bläser werden bei Bedarf dazugeholt.“

Ist ein Kammerorchester ohne Waldhorn also unsinnig? Die Frage muss weiterhin von Musikern entschieden werden. Oder, wie hier leider, vom Geldbeutel.

QuelleBundesarbeitsgericht, Urteil vom 27. Januar 2011 – 2 AZR 9/10 – Pressemeldung

Dieser Beitrag erschien vor meiner Anwaltszulassung in meinem früheren Blog.